Glenda Loebell - Ryan wurde in Kapstadt geboren. Damals herrschte in Südafrika
die Apartheid. Sie erlebte die Rassendiskriminierung in ihrer allernächsten
Umgebung. Anfangs 70er Jahre riss die Polizei den District Six, das
Stadtviertel, in dem sie aufgewachsen war, nieder und vertrieb dessen
BewohnerInnen. Im District Six lebten Menschen aller Hautfarben und
unterschiedlicher Herkunft zusammen. Der District Six war wegen seiner
multikulturellen Mischung ein Dorn im Auge des Apartheidregimes.
Diese Erfahrungen prägten Ihr Leben. Sie bildete sich als Sozialarbeiterin und
Erwachsenenbildnerin aus. Dazu engagierte sie sich politisch in der
Frauenbewegung des ANC. Sie baute Bildungsprojekte in den Townships rund um
Kapstadt auf. Eines der Projekte, in denen sie sich engagierte, hiess Lifeline:
Sie beriet Leute am Telefon.
Sie bildete sich in Europa und Israel weiter.
Die Kontakte mit europäischen und nordamerikanischen NGOs ermöglichten es ihr,
Mittel für soziale Projekte in Südafrika zu beschaffen.
Mit dem Ende der Apartheid Mitte der 90er Jahre änderte sich auch für Glenda Loebell - Ryan die Lebensperspektive. Sie zog zu ihrem Lebenspartner nach Zürich und begann sich in der kleinen Schweiz beruflich neu zu orientieren. Auch hier fand sie genügend Gründe, ihr Engagement gegen Diskriminierung und das Empowerment von Benachteiligten fortzusetzen. Sie nahm an den Aktivitäten der ehemaligen Anti-Apartheid Bewegung teil, welche sich nun für den Aufbau des neuen Südafrika einsetzte. Sie machte mit in der Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika, welche immer noch von der Schweizer Regierung fordert, sich für die Unterstützung der Apartheid, des Verbrechens gegen die Menschheit, zu entschuldigen.
Sie stellte fest, dass in der Schweiz Menschen afrikanischer Herkunft besonderen Diskriminierungen ausgesetzt sind, welche ihre gesellschaftliche Integration behindern und viele, unter ihnen auch gut ausgebildete, vom Arbeitsmarkt ausschliessen. Sie suchte den Kontakt zu verschiedenen Gruppen, welche versuchen, öffentlich gegen Rassismus und Diskriminierungen aufzutreten. So initiierte sie 2005 die Informationsstelle SOS Rassismus Deutschschweiz in Zürich und eröffnete an der Rosengartenstrasse 1 ein Büro. Über eine Gratisnummer können sich Ratsuchende an die Organisation wenden. Wegen den knappen finanziellen Ressourcen muss sie sich vorderhand darauf beschränken, Ratsuchende möglichst an andere Stellen mit spezifischen Kompetenzen zu verweisen. Das ist zum Beispiel bei Opfern von Polizeigewalt nicht einfach. SOS Rassismus Deutschschweiz versucht, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und eine stabilere Basis für eine professionell geführte Stelle zu schaffen. Sie organisiert am 1./2. Dezember 2006 eine öffentliche Tagung zu Fragen von Diskriminierung und Integration und hat dafür die Unterstützung durch mehrere Partnerorganisationen gefunden.
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